Liebe: HOT°

HOT° – Weit mehr als ein Nebenprojekt, eher wahre Liebe

HOT - jump-1_300dpi

HOT° ist eine Indie Post Punk-Band aus Berlin, die sich aus den Mitgliedern Alexander Wolf (Gesang), Basti Windisch (Gitarre), Eike Ahlhausen (Schlagzeug) und Florian Scheffler (Bass) zusammensetzt, über die einst Joro Gogov, Geigenstar der Band City,  sagte „Spaßfaktor 1000 und unglaublich dilettantisch!“ und über die die Berliner zitty schrieb: „als würde man Monster Magnet, Rick James und Violent Femmes hören – allerdings gleichzeitig“. HOT° wurde 2008 gegründet, von 2012 bis Anfang 2014 pausierte man. Mit dem neuen Gitarristen Basti Windisch wollen sie jetzt erneut zu den Sternen greifen. 2015 erschien das neue mittlerweile in deutsch getextete Album SIE KOMMEN IN WELLEN, das die vier deutlich weg vom Glam und hin zum Postpunk geführt hat.

Hervorgegangen ist HOT° aus den Schülerbands Die gestressten Hausfrauen (Fun Punk, Wave) aus dem fränkischen Loitzenbronn und Ängelstang Blossem (Post Rock) aus Großburgwedel in Niedersachsen. HOT° betitelte sich deswegen zeitweilig auch als „Die älteste Schülerband der Welt“.

[Die Band be mit Florian Scheffler, der zusammen mit Eike Ahlhausen der Gründer von Ängelstang Blossem warspielte Ende der 90er Jahre in einem bayerischen Örtchen namens Bad Winsheim. Es war das letzte Konzert einer Tourfolge von 10 Konzerten ohne Offday (bitte verifizieren). Die be-Boys gingen auf dem Zahnfleisch und wollten möglichst schnell zurück in den Bus und zurück zur Homebase Hannover. Unabgesprochen hatte der örtliche Veranstalter eine Vorband organisiert: Die gestressten Hausfrauen. der junge gitarrist von den hausfrauenSehr zum Unmut von be, verzögerte sich die Abreise doch nun um kostbare Zeit. Schon beim Soundcheck fiel die Band durch ein subversives ungezügeltes Chaos auf, dass einem professionellen Musiker die Fremdschamesröte auf die Wangen treiben ließ. Die Band be beschloss stillzuhalten und sich ihrem Schicksal zu ergeben. Während der eigentlichen Show des Supports, war be-DJ Samon Kawamura der Erste, der sich vor die Bühne traute, um zuzugucken. Sein Lachanfall, seine Freude an der Darbietung, erreichte bald auch den Rest der hannoverschen Hip Hop-Band, die bald geschlossen in der ersten Reihe stand. Sie feierten einen Gitarristen (Kéké, siehe Bild rechts) mit einer selbstgesägten und mit Sand beklebten Flying-V-Gitarre, der mit seinem Ion-Tiriac-Bart aussah, wie ein bulgarischer Autohändler und der breitbeinig, den Kopf fast bis auf den Boden reichend, Rockriffs zu elektronischen Beats eines Drumcomputer-bearbeitenden Weißanzugträgers namens Horst windmühlte. Dazu skandierte ein wild bemalter Sänger (der junge Alex Schwab) deutsche und englische Adoleszensparolen wie „Es ist nix los in Loitzenbronn“ und entledigte sich Song für Song sukzessiv seiner Kleidungsstücke, bis er schließlich nackt bis auf den Stringtanga seinen Kopf beständig gegen den Bühnenboden donnerte. Hingerissen von diesem überraschenden und unerwarteten dadaistischen Beitrag, engagierte be die Jungs als Support zu weiteren Shows in Nürnberg und Hannover. Schwab und Kéké zog es später wie auch Scheffler nach Berlin, wo man sich wiedertraf und bei einem Teller Labskaus zusammen mit Ahlhausen die Band HOT, später ergänzt um ein Gradzeichen zu HOT°, gründete.

Zu Ängelstang Blossem: Ahlhausen und Scheffler besuchten Ende der 90er in Großburgwedel das gleiche Gymnasium und die gleiche Musikschule und gründeten damals mit zwei Freunden die erste gemeinsame Band Forellenquintett, zu dessen Mitbegründern übrigens der spätere Gods Of Blitz-Frontmann und Extrabreit-Bassist Sebastian Gäbel zählte. Nach einer Umbesetzung nannte man sich in Ängelstang Blossem umScheffler spielte damals die von seinem Konfirmationsgeld gekaufte E-Gitarre und war der Sänger der Band, während für Gäbel nur noch der Bass übrig blieb – für ihn die Initiation als Bassist.]

© borismehl

© borismehl

Mit viel Glitzerpuder, weißen Anzügen und Gesichtsbemalung und der Kreativität, sich neue Ideen für die Liveumsetzung auszudenken, erspielten sich die 4 Rampensäue von HOT° schnell ein sukzessiv leider schrumpfendes Publikum. Denn Erfolg gab es eigentlich nie, mal abgesehen von einer Minitour als Support von Gods Of Blitz im Jahr 2010. Nach dem Ausscheiden von Gitarrist Kéké, der die Band nach einem Konzert im Berliner Club Kaffee Burger des Diebstahls (!) von 25 Euro bezichtigt hatte (und deswegen die Polizei rief) und der wenige Monate zuvor schon unabgesprochen die Bandkasse bemühte, um seine als Ostereier bemalten nackten selbigen tausendfach als Autogrammkarte zu drucken. Nach einer Umformation ersetzte man ihn durch den jazzstudierten österreichischen Gitarristen Erich Gramshammer (im unteren Foto ganz rechts), dessen musikalische Ambition, Gehaltsvorstellung und letztlich schwankende charakterliche Tagesform nicht mit dem verbliebenen Trio in Übereinkunft gesetzt werden konnte. Erst mit dem ehemaligen Herr Nilsson-Gitarristen Basti „Lord of the Boards“ Windisch konnte HOT° zu neuem Leben geweckt werden.

Der Nachwelt erhalten geblieben sind bislang das mit Willi Dammeier im hannoverschen „Institut für Wohlklangforschung“ aufgenommene und von Scheffler produzierte Album Black Death Poison Killerschienen 2010 auf KOOK und das von Katapult-Geschäftführer Alex Kiening produzierte Video zum Track Skoda Oktavia Turbo Daddy von 2010 und  – ganz neu und ebenfalls in Hannover aufgenommen, aber von HOT° produziert – Sie kommen in Wellen von 2015.

Videos:

Diskografie:

HOT° - BLACK DEATH POISON KILL (2010, Kook)

HOT° – BLACK DEATH POISON KILL (2010, Kook)

HOT° - Sie kommen in Wellen (2015, BFR)

HOT° – Sie kommen in Wellen (2015, BFR)